von Eifelphilosoph
Wir haben ja jetzt eine neue Arbeitslosenstatistik. Wie schön. Alle sind am Jubeln. Vor allem die Ökonomen.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,686677,00.html
Es war die schwerste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik – doch der Arbeitsmarkt bleibt stabil. Im März ist die Zahl der Erwerbslosen sogar spürbar gesunken, die Quote liegt nur noch bei 8,5 Prozent. Ökonomen sind verblüfft: “Alle Prognostiker waren zu pessimistisch”.
In der ganzen Republik tanzen die Experten auf den Tischen und sind außer sich:
Auch die Experten der NordLB jubeln: “Nie waren die Aussichten besser, dass es der Arbeitsmarkt ohne größere Blessuren durch die Krise schafft”, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Die Arbeitsmarktdaten seien insgesamt eine positive Überraschung.
Manche können sich vor Freude kaum noch halten:
Bei der Postbank heißt es, der Arbeitsmarkt zeige sich robust. Andreas Scheuerle von der DekaBank spricht gar von einem “kleinen Wunder”.
Das müssen unglaubliche Szenen sein, die sich heute in den Banken abspielen: die Menschen schmeißen ihre Krawatten fort, machen die Computer aus, tanzen auf den Tischen, fallen sich um den Hals und singen gemeinsam die Nationalhymne.
Nur einer tanzt nicht. Wolfgang Schäuble. Der hat eine ganz häßliche Entdeckung gemacht: die sind zwar nicht da, diese Arbeitslosen … die kosten aber trotzdem:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,686655,00.html
Das Defizit von Bund, Ländern und Kommunen hat sich enorm ausgeweitet. Die öffentlichen Haushalte häuften im vergangenen Jahr ein Minus von 105,5 Milliarden Euro an – das ist 20-mal mehr als im Vorjahr. Besonders drastisch schrumpften die Einnahmen der Städte und Gemeinden.
Auch die Sozialversicherung, deren Einnahmen und Ausgaben ebenfalls zu den öffentlichen Haushalten dazugezählt werden, schrieb tiefrote Zahlen. Sie meldete 2009 ein Minus von 14,7 Milliarden Euro. Dafür war vor allem die Bundesagentur für Arbeit verantwortlich, die hohe Kosten für Kurzarbeit und steigende Arbeitslosigkeit tragen musste.
Ja, Schäuble, wie kann denn das sein? Verrechnet? Hohe Kosten für steigende Arbeitslosigkeit ohne steigende Arbeitslosenzahlen – wie geht das denn? Hört man in Berlin die Experten nicht jubeln?
Und wieso … jubeln die eigentlich nur bei Banken?
Ich denke … wir müssen weiter schauen. Ein Rätsel tut sich auf. Eine Antwort finden wir in der WELT:
http://www.welt.de/wirtschaft/article6998540/Banken-sind-von-aktuellen-Krisenkosten-verschont.html
Die Banken sollen sich künftig an einer staatlichen Rettung finanziell beteiligen. Das beschließt heute die Regierung. An den Kosten der laufenden Krise sollen sich die Geldhäuser aber nicht beteiligen müssen.
Na, da wissen wir doch, warum die in den Banken jubeln. Alles geht auf Steuerzahlers Deckel, Merkel machts möglich. Da werden die Sektkorken in den Büros aber heute wieder Stalinorgel spielen. Gut, das gibt auch die Hoffnung, das nicht noch mehr Banker arbeitslos werden, doch erklärt es uns nicht die Diskrepanz zwischen sinkenden Arbeitslosenzahlen und steigenden Kosten durch angeblich nicht vorhandene Arbeitslose.
Noch einen Grund zu Jubeln haben heute die Banker von Lehmann Brothers:
http://www.welt.de/wirtschaft/article6986416/Lehman-erwartet-559-Milliarden-weniger-Ansprueche.html
Lehman erwartet 559 Milliarden weniger Ansprüche
Gute und schlechte Gläubiger bei Lehman Brothers: Die insolvente Investmentbank hält nicht alle Forderungen ihrer Gläubiger für berechtigt oder angemessen. Ein großer Teil der Ansprüche soll daher abgewiesen werden. Für die anderen, berechtigten Forderungen bleibt dann mehr vom Kuchen übrig.
Und natürlich gab´s für die Megapleite, die die ganze Welt an den Rand des Abgrundes gerückt hat, auch noch fette Boni …
http://www.welt.de/wirtschaft/article6040224/Ex-Lehman-Banker-kassieren-Milliarden-Boni.html
Ihre Bank ist spektakulär in die Pleite geschlittert und hat die Finanzkrise befeuert. Trotzdem kassieren rund 2500 Ex-Mitarbeiter von Lehman Brothers noch einmal saftige Bonuszahlungen. Pro Person gibt es im Schnitt rund 400.000 Dollar – ausgerechnet für die Leistungen in den Krisenjahren 2008 und 2009.
…und man darf wieder weiterwursteln:
http://www.welt.de/wirtschaft/article6804171/Pleitebank-Lehman-Brothers-wird-wiederbelebt.html
Die US-Investmentbank Lehman Brothers bekommt eine neue Chance: Laut eines Restrukturierungsplans soll aus der Pleitebank ein Vermögensverwalter namens Lamco werden. Allerdings muss der Insolvenzrichter noch zustimmen. Der Fall ist kompliziert – noch wollen jede Menge Gläubiger ihr Geld zurück.
Na ja, wo man doch jetzt 559 Milliarden Dollar einfach mal herausgerechnet hat, wird man wohl bald wieder Riesengewinne machen. Und diese Banker als Vermögensverwalter einzusetzen … kam wahrscheinlich als Rat von Ökonomen. Da sagt man besser nichts zu.
Zurück zu der Welt der Arbeitslosen bei Spiegel Online, die sich von der Welt der Ökonomen scheinbar deutlich unterscheidet.
Bemerkenswert: Der Arbeitsmarkt in Ost und West nähert sich immer stärker an. Zwar liegt die Erwerbslosenquote im Osten mit 13,5 Prozent deutlich über dem Westwert von 7,2 Prozent. Allerdings hat sich die Zahl der Arbeitslosen in den neuen Ländern im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,5 Prozent verringert – in den alten Ländern ist sie um 2,1 Prozent gestiegen.
Große Unterschiede gibt es je nach Alter. Deutschlandweit ist die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren deutlich gesunken – um 6,3 Prozent auf 373.000. Die Zahl der Arbeitslosen über 55 Jahren hat sich dagegen um 8,9 Prozent auf 552.00 erhöht.
Das riecht stark danach, als hätte man zur Statistikmanipulation viele Jugendliche im Osten des Landes in Maßnahmen gesteckt. Ist ja auch einfach und billig und bringt prozentual am Meisten. Viele Gemeinden sanieren durch diese Maßnahmen ihren Haushalt und setzen dafür ältere (teurere) Mitarbeiter frei.
Der Anstieg der Arbeitslosen über 55 … ist die eigentlich wichtige … und gruselige Zahl. Das heißt nämlich:
Verurteilung zu ZWÖLF JAHREN HARTZ IV bis zur Rente (mit 67). Diese Altersgruppe kriegt keinen Job mehr … aber sie kann erstmal ihr Vermögen aufbrauchen, bis sie was von der ARGE bekommt. Die kosten also erstmal nichts. Leben von dem Geld, das sie für das Studium ihrer Kinder zurückgelegt hatten.
Kein Wunder, das die Ämter Panik bekamen, als die CDU die Maßnahmengelder streichen wollte. Dank der SPD sind sie ja jetzt wieder drin, dafür bekommt die CDU ihre Verfassungsänderung und die Ämter ihre niedrigen Arbeitslosenzahlen, während die Wirtschaft jene Menschen entsorgt und aufs Abstellgleis Hartz IV schickt, die in ihrem Leben richtig schwer geschuftet haben. Jene Menschen, denen wir unseren ganzen Wohlstand verdanken. Dann noch ein paar Millionen als Aufstocker, schon hat man eine schöne Statistik …trotz massiv steigender Arbeitslosigkeit unter Vollzeitbeschäftigten.
Vielleichth hilft ein Blick ins Ausland, um die Realitäten jenseits der öffentlichen Zahlenmystik zu besser erfassen zu können:
Auch in den 27 Ländern der gesamten EU erreichte die Arbeitslosigkeit mit 9,6 Prozent einen Höchststand seit Beginn der Statistik Anfang 2000. Nach Angaben von Eurostat waren im Februar in der Europäischen Union 23,02 Millionen Männer und Frauen ohne Job, davon 15,8 Millionen im Euro-Raum. Am stärksten sind Spanien mit einer Quote von 19,0 Prozent und Lettland mit 21,7 Prozent betroffen. Am besten stehen die Niederlande mit 4,0 Prozent und Österreich mit 5,0 Prozent da
Niederländer und Österreicher sind uns, was die Statistik angeht, weit voraus, glaube ich. Und was die jubelnden Experten und Ökonomen angeht … sollten wir sie durch Kröten ersetzen. Die können zumindest Erdbeben besser voraussagen als wir.
http://www.welt.de/wissenschaft/article7002824/Kroeten-sind-besser-als-die-besten-Seismographen.html
Eine warzige Amphibie könnte sich als verlässliches Frühwarnsystem für Erdbeben erweisen: Erdkröten spüren ein drohendes Beben schon Tage zuvor und bringen sich in Sicherheit. Britische Forscher dokumentieren erstmals die ungewöhnliche Vorahnung der Tiere vor dem schweren Erdbeben im vergangenen Jahr in Italien.
Wir sollten alle unsere Kröten auf die Bank bringen. Möglicherweise können die ja auch Finanzbeben besser vorhersagen als die Experten?
Quelle: Eifelphilosoph Blog
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