von wundersam
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan meint, dass Assimilierung, also die Anpassung von Türken, die dauerhaft in Deutschland leben wollen, ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ sei und dass „Deutschland türkisch werden muss”. In Köln hat Erdogan in dieser Hinsicht schon bedeutende Erfolge erzielt. Die Zahl der Stadtteile, in denen sich türkisches Leben entfaltet und die deutsche und kölsche Lebensart immer weniger erkennbar ist, nimmt zu.
Wenn man zum Beispiel in rechtsrheinischen Stadtteil Köln-Kalk durch die Straßen geht, wo gemeinhin ein Kölner nicht zu Fuß hinkommt, es sei denn, er wohnt dort (ja, es gibt noch einige alteingesessene Kölner dort), dann tun sich neue Welten auf. Ein Beispiel ist die Gegend um die Vietorstraße/Vorsterstraße.
In der Vietorstraße findet der deutsche Wanderer zunächst ein Schild einer Moschee von Milli Görüs.
Dies fällt auch auf, wenn man mit dem Auto durchfährt. Biegt man jedoch ab nach links in die Vorsterstraße (hierhin fährt man als Ortsfremder mit dem Auto kaum), dann wird erkennbar, wie groß das Gebäude dieser Moschee ist.
Am Haupteingang dieser Ditib-Moschee gibt es natürlich ein paar türkische Halbmonde.
Ferner sind da zwei Aushänge, beide in türkischer Sprache. Auf einem dieser Plakate in türkischer Sprache ist ein Vortrag eines Herrn Karahaliloglu angekündigt. Diese Veranstaltung findet wohl in „Sato Dügün Tarih“ in der Wipperfürther Straße 33-35 statt.
Am Nebeneingang dieser Moschee sind ebenfalls Aushänge in türkischer Sprache.
Ein paar Meter weiter, in der Vorsterstraße gibt es eine andere Moschee, die Kuba Camii, islam toplumu Milli Görüs.
Über dem Eingang dieser Einrichtung ist nun etwas in Deutsch zu lesen: „Herzlich willkommen zur Heiligen Monat Ramadan“. (Wir haben zur Zeit den März 2010, der letzte Ramadan ist lange vorbei und bis zum nächsten Ramadan dauert es noch eine Weile).
Hier gibt es aber noch mehr auf deutsch zu lesen, vermutlich zur Information für den zufällig vorbeikommenden Nichtmuslim: Zwei Plakate an den Türen zu dieser Moschee (es ist wohl eine ehemalige Torausfahrt) informieren uns über den Islam und den Propheten Muhammad: „… Da Muhammad mit zunehmendem Alter für seine Vertrauenswürdigkeit, seine Ehrlichkeit und seine Großzügigkeit bekannt wurde …“.
Weiter wird uns auf einem anderen Plakat die Antwort auf die Frage gegeben: „Haben Islam, Christentum und Judentum verschiedene Ursprünge?“ Wir erfahren: „Nein. Die originalen, unveränderten Offenbarungen. die allen Propheten von Adam bis Abraham zuteil wurden, kommen von dem einzigen wahren Gott. Dieser gemeinsame Ursprung erklärt ihre Ähnlichkeit, was den Glauben und die Werte betrifft. Abraham wird im Koran als großer Prophet erwähnt und mit dem Titel ‚Freund Gottes‘ geehrt. Gott beauftragte Abraham und seinen ältesten Sohn Ismael, eine Andachtsstätte, die Kaaba, zu errichten, die sich im heutigen Mekka (Saudi-Arabien) befindet.“
Neben der türkischen Kuba Camii von Milli Görüs befindet sich das türkische Jugendlokal Genclik.
Auch hier bleibt man gerne unter sich; eine Integration sucht man hier wohl vergeblich. In den Häusern in der Vorsterstraße und Vietorstraße und in der Umgebung haben viele Klingelschilder ein ähnliches Aussehen: Oft ist darauf kein einziger deutscher Name mehr. Direkt gegenüber der Kuba-Moschee steht ein Haus zum Verkauf.
In manchen solcher multi- oder monokulturellen Gegenden sieht man oftmals Haustüren, bei denen das Glas eingeschlagen ist. Nicht so oft in Köln-Kalk: Viele Haustüren sind so erneuert worden, daß sie nicht mehr einzuschlagen und einzutreten sind.
Dieser Kabelschacht dagegen war vor Vandalismus nicht sicher.
Auch die Graffitis sind hier in türkisch.
Ein paar hundert Meter weiter findet sich dann der Sato-Festsaal, der auch in der Ankündigung des Vortrags von Herr Karahaliloglu genannt wurde.
Das ist es, was man den Aufbau einer Parallelgesellschaft, vielleicht sogar einer Gegengesellschaft nennt, und Herr Erdogan hat schon viel auf dem Weg dahin erreicht.
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