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Im Vorwärts , dem Parteiorgan der SPD, ist online vom 21. Juni 2010 ein Interview mit Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, zu lesen.
Sie empört sich ganz besonders über den Satz von Guido Westerwelle: Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt. Für Langzeitarbeitslose im Rentenalter, vor allem in Ostdeutschland, sagt sie „richtige Abstürze“ voraus. Das Sparpaket der Bundesregierung sieht sie als eine absolute Schieflage. Es werden die zum Sparen herangezogen, die ohnehin kaum genug Geld haben, um über die Runden zu kommen.
Der oben erwähnte Satz von Westerwelle empört sie also besonders!
Weil die Arbeitslosen, die Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder mit Behinderungen, die Frauen mit einer Durchschnittsrente von 600 Euro doch nicht über ihre Verhältnisse gelebt hätten!
Weiter bemängelt sie, dass bei den Hartz IV-Empfängern der Staat die Zuschüsse zur Rentenversicherung streichen will und damit sei Altersarmut vorprogrammiert.
Dann, auf die Frage ob es lohnt für Hartz IV-Empfänger jetzt noch zu “riestern”, antwortet sie: „Das ist eine heikle Geschichte. Im Grunde müsste man jedem, der sich überlegt, ob er einen Riestervertrag abschließt sagen: Wenn Sie im Alter eine so niedrige Rente haben, dass Sie auf Grundsicherung angewiesen sind, wird der Ertrag aus der Riesterrente mit der Grundsicherung verrechnet. Es lohnt sich also nicht.“
Weiter sagt sie: „Wir haben zwei große Fehler gemacht. Wir haben die Riesterrente nicht verbindlich gemacht. Das heißt, diejenigen die sie dringlich bräuchten, “riestern” nicht. Und wir haben die zusätzliche private Altersvorsorge nicht genügend reguliert und transparent gemacht. Deshalb sind die Erträge heute sehr unterschiedlich. Es ist aber nicht Sinn der Sache, dass der Staat einen Zuschuss aus Steuermitteln gibt, damit die Versicherungsgesellschaften hohe Gebühren und Provisionen kassieren.“
Das ist wirklich der Gipfel der Scheinheiligkeit.
Die gesetzliche Rentenversicherung wurde und wird mit allen Mitteln zu Gunsten der privaten Versicherungs- und Finanzdienstleister demontiert, und das wollte sie auch noch verbindlich machen.
Frau Mascher war Staatssekretärin beim Arbeitsminister Riester.
Dort hat sie zwischen 1998 und 2002, in der entscheidenden Zeit, federführend an der Zerschlagung der gesetzlichen Rente mitgewirkt.
Und noch viel schlimmer: Zwischen 1974 und 1990 war sie ausgerechnet in der privaten Versicherungswirtschaft tätig (Allianz), die Verursacher und Nutznießer der Rentenzerschlagung war und ist!
Wie um Gottes Willen konnte eine solche Person, die Verkörperung der asozialsten Gesetzgebung die dieses Land je erlebte, Präsidentin des VdK werden?
Wie war das ohne einen Aufschrei des Präsidiums und auch der Mitglieder möglich?
Oder kann Frau Mascher erklären, wie es zu einem solchen Frontwechsel kam?
Kann sie den heutigen und zukünftigen Rentnern erklären, wie sie nun die furchtbaren Rentengesetze bekämpfen will, die sie selbst mit in die Welt gesetzt hat?
Wie will Frau Mascher erklären, dass sie als ehemalige Allianz-Angestellte, dann in der Funktion als Staatssekretärin, nicht für die ungeheuren Gewinne aus der privaten Rentenversicherung bei den privaten Anbietern die Verantwortung trägt?
Sie hat nach meinem Verständnis unendliches Leid über heutige und zukünftige Rentner gebracht und ist für unsere zunehmende Verarmung und Verelendung mitverantwortlich.
Wie will sie glaubhaft erklären, dass sie nun als Präsidentin des VdK, nicht ihr furchtbares Zerstörungswerk an der gesetzlichen Rentenversicherung fortsetzt?
Ist es Aufgabe eines Sozialverbandes, Werbeträger für private, teure und unsolidarische Versicherungsprodukte zu sein?
Sie stellt Riester gar nicht in Frage, wie denn auch.
Sie erwähnt nicht, dass jeder Riesterer selbst, die heutigen und zukünftigen Rentner jeden Cent der angeblichen Prämien und Steuerentlastung selbst zahlen. Die Riesterrente schafft erst die Lücke in der gesetzlichen Rentenversicherung, die angeblich damit geschlossen werden soll.
Dass es keine auskömmliche Rente mehr geben wird, hat sie mit zu verantworten. Sie hat mit dafür gesorgt, dass das einzig sichere Rentensystem an die Versicherungs- und Finanzdienstleister verscherbelt wurde und wird.
Sie fordert nicht, dass die gesetzliche Rentenversicherung vor den Zugriffen aus Politik und Wirtschaft geschützt werden muss.
Sie fordert nicht, dass die Verwalter für das Selbstverwaltungsorgan der Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine transparente und exakte Buchführung vor zu legen haben. Die gibt es nämlich nicht! Der jährliche Bericht der Deutschen Rentenversicherung ist reine Augenwischerei.
Sie fordert nicht, dass die GRV gestärkt und ausgebaut werden muss.
Sie fordert nicht, dass es ein glasklare Abgrenzung zu privaten Versicherungsprodukten geben muss.
Sie fordert nicht, dass die versicherungsfremden Leistungen nicht mehr durch die Beiträge der Beitragzahler der GRV zu bezahlen sind sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe aller Bürger zu sein haben.
Sie fordert nicht, dass die Lügerei um den sogenannten Bundeszuschuss ein Ende hat und dass der GRV die seit 1957 herausgeplünderten 700 Milliarden zurück zu zahlen sind.
Sie fordert nicht, dass das Zweiklassensystem der Sozialversicherungen ein Ende haben muss und auch anders berufsständisch Rentenversicherte sich an gesamtgesellschaftliche Aufgaben (Bundeszuschuss) zu beteiligen haben.
Alles das was sie beklagt, hat sie mit zu verantworten!
Und wer glaubt, die Teilprivatisierung hätte man transparenter, und weniger lukrativ für die Versicherungsgesellschaften machen können, glaubt auch, dass die Erde eine Scheibe ist.
Denn alles das ist auch von Experten, denen der Verstand noch nicht weg bezahlt wurde, auch gefordert worden, aber vergeblich (z.B. Prof. Schmähl).
Die Sozialverbände haben sich in unerträglicher Weise mit der Versicherungsbranche verstrickt. Die Mitglieder können deshalb nicht erwarten aufrichtig und im Sinne des Allgemeinwohls vertreten zu werden.
Sie wurden bereitwillig mit Adressen an die Versicherungsbranche verraten und verkauft.
Die bisher regierenden Parteien haben das bereitwillig unterstützt, die Spendenliste spricht eine deutliche Sprache:
Spendenliste
Können die Sozialverbände unter solchen Umständen noch Stimme für die sozial Schwachen sein? Auch die Kaffeenachmittage für die Älteren und die Vielzahl der unermüdlichen ehrenamtlichen Helfer sind nur noch Mittel zum Zweck, um den Versicherungskonzernen die Hasen in die Küche zu treiben?
Denn auch gegen die perfide, seit Jahren mit allen Tricks laufende Propaganda, gegen die umlagefinanzierte, gesetzliche Rente, durch die Versicherungsmietmäuler, hat Frau Mascher nichts getan.
Wie die gesetzliche Rentenversicherung ruiniert wurde und wird, kann man hier nachlesen:
Altersdiskriminierung
Aktion Demokratische Gemeinschaft
Forum-Renten
Nachdenkseiten
Bohrwurm
Rentenreform-Alternative
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