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	<title>Der BRD Schwindel &#187; Ronald</title>
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	<description>Wie das &#34;Personal&#34; in der BRD &#34;verschaukelt&#34; wird</description>
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		<title>Bundespräsident Köhler warnt und keiner hört hin: Stell dir vor, es ist Staatsbankrott…</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Mar 2010 10:36:00 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Zu Beginn der Woche las ich das Horst-K&#246;hler-Interview im „Focus“ und war sprachlos. Der Bundespr&#228;sident hat sich eine Weile mit &#246;ffentlichen &#196;u&#223;erungen zur&#252;ckgehalten, was als Amtsm&#252;digkeit oder als Ausdruck eines Machtkampfes in seinem Amt interpretiert wurde. Jetzt meldet er sich pl&#246;tzlich zur&#252;ck und fordert, dass wir die Voraussetzungen f&#252;r den Staatsbankrott schaffen....]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[</p>
<p><em>von <a href="http://ef-magazin.de/autor/ronald-glaeser">Ronald Gl&#228;ser</a></em></p>
<h3 style="text-align: justify;">Pr&#228;sidiales Pl&#228;doyer f&#252;r  „geordnetes Insolvenzverfahren“</h3>
<p style="text-align: justify;">Zu Beginn der Woche las ich das Horst-K&#246;hler-Interview im „Focus“ und war sprachlos. Der Bundespr&#228;sident hat sich eine Weile mit &#246;ffentlichen &#196;u&#223;erungen zur&#252;ckgehalten, was als Amtsm&#252;digkeit oder als  Ausdruck eines Machtkampfes in seinem Amt interpretiert wurde. Jetzt meldet er  sich pl&#246;tzlich zur&#252;ck und fordert, dass wir die Voraussetzungen f&#252;r den Staatsbankrott schaffen.</p>
<p style="text-align: justify;">Staatsbankrott. K&#246;hler f&#252;rchtet den  Zusammenbruch der Staatsfinanzen, den Offenbarungseid f&#252;r die regierende  Kleptokratenkaste. Und das unmittelbar nach der Verabschiedung des gr&#246;&#223;ten Schuldenhaushalts  aller Zeiten. Ich dachte schon fast: Ist das jetzt die Zeitenwende?</p>
<p style="text-align: justify;">Umso  mehr war ich &#252;berrascht von den Reaktionen in meinem Umfeld. Ich habe mit einem halben Dutzend Leute am Montag und Dienstag gesprochen. Sie alle fingen sofort an zu schimpfen: „Der will die  Benzinpreise erh&#246;hen.“ Tatsache ist, dass er sich in dem Interview auf den Nebenkriegsschauplatz Umweltpolitik begibt und etwas von h&#246;herer Mineral&#246;lsteuer sagt. Komischerweise sind die Medien alle auf diesen  Satz angesprungen und haben mit ihrer Berichterstattung die Leute massenhaft  gegen K&#246;hler aufgebracht. Vom drohenden Staatsbankrott kaum ein Wort.  Stattdessen Schlagzeilen wie „Jetzt sagen Autofahrer K&#246;hler die Meinung“ („Bild“),  „Ramsauer kritisiert K&#246;hler: Benzin teuer genug“ („Welt“) oder „K&#246;hler erntet  Kritik f&#252;r Benzinpreis-Vorsto&#223;“ („Hamburger Abendblatt“).</p>
<p><span id="more-8131"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Die Kritik an der  Forderung nach h&#246;heren Benzinpreisen ist nat&#252;rlich berechtigt. Seine Aussagen zum „gr&#252;nen Wachstum“ klingen reichlich naiv. Aber was sind schon 50 Cent mehr f&#252;r den Liter Sprit –  verglichen mit dem finanziellen Supergau unseres Gemeinwesens? Und wieso schweigen  fast alle Zeitgeistmedien vollst&#228;ndig &#252;ber diese viel wichtigere Angelegenheit?</p>
<p style="text-align: justify;">Schauen  wir uns mal an, was K&#246;hler genau gesagt hat: Zu Beginn wird er gefragt, ob seine Forderung, die gigantische deutsche Staatsverschuldung anzugehen, bei der Regierung angekommen sei. Er sagt:  „ Wir brauchen eine L&#246;sung f&#252;r das Megaproblem Schulden. Die offiziell  ausgewiesene Staatsverschuldung Deutschlands liegt heute bei &#252;ber 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Wenn wir die impliziten Schulden – also vor allem  Renten und Pensionen – dazunehmen, dann sind wir bald bei mehr als 250  Prozent.“ Diese Tatsache ist schon oft von Wirtschaftswissenschaftlern debattiert  worden. Zuletzt vom &#214;konom Bernd Raffelh&#252;schen. Aber noch nie hat ein f&#252;hrender Politiker diese Tatsache offen zugegeben. Die „Focus“-Journalisten  Rainer P&#246;rtner und Frank Thewes h&#228;tten eigentlich schon an dieser Stelle  nachhaken k&#246;nnen, nachhaken m&#252;ssen. Noch viel mehr Schulden als zugegeben? Was  bedeutet das f&#252;r unser Gemeinwesen? Glauben Sie, dass wir diese Schulden noch zur&#252;ckzahlen k&#246;nnen? Was, wenn  nicht? Ist es nicht verantwortungslos, was deutsche Politiker seit vier  Jahrzehnten machen?</p>
<p style="text-align: justify;">Sie haken aber nicht nach. Christiansenm&#228;&#223;ig gehen sie zum n&#228;chsten Thema &#252;ber. Sie befragen K&#246;hler, ob er in dieser Situation Steuererleichterungen bef&#252;rworte. K&#246;hler lenkt das Gespr&#228;ch zur Staatsverschuldung zur&#252;ck und warnt: „Wir m&#252;ssen weg vom  schuldengetriebenen Konsum. Davon wieder runterzukommen ist schwer wie ein Drogenentzug,  aber unumg&#228;nglich f&#252;r nachhaltiges Wachstum, das allen Menschen dient.“ Und  dann: „Ich glaube, die Leute erkennen zunehmend: Wir haben nicht das Recht,  die Freiheit unserer Kinder immer st&#228;rker einzuschr&#228;nken.“ Wieder verpassen  die „Focus“-Leute den Moment und lassen ihn ungenutzt verstreichen. K&#246;hler will uns etwas  sagen, aber keiner h&#246;rt ihm richtig zu.</p>
<p style="text-align: justify;">Interviews werden auch in  Hinblick auf die Reihenfolge des Gesagten selten so gedruckt, wie sie gef&#252;hrt worden sind. Im Falle  des Bundespr&#228;sidenten gehe ich aber davon aus, dass wenig hinterher  ver&#228;ndert wurde, und deswegen nehme ich an, dass K&#246;hler am Ende des Gespr&#228;chs zum  dritten Mal von sich aus auf den drohenden deutschen Staatsbankrott zu sprechen  kommt. Die Journalisten wollen von ihm etwas &#252;ber Griechenland erfahren. Er  aber antwortet: „Losgel&#246;st vom Fall Griechenland will ich ganz eindeutig  sagen: Es kann Staaten geben, die mit ihren Schulden nicht mehr fertig werden.  Deshalb ist es an der Zeit, das f&#252;r viele Undenkbare zu denken: Wir brauchen  geordnete Insolvenzverfahren nicht nur f&#252;r Unternehmen, sondern auch f&#252;r  Staaten.“  Weiter: „Wenn ein Staat in die Zahlungsunf&#228;higkeit ger&#228;t, dann ist die gr&#246;&#223;te Gefahr, dass Chaos  ausbricht. Dass es zu sozialen und politischen Unruhen kommt. Deshalb brauchen wir  ein geordnetes Verfahren. Damit jeder wei&#223;, welche Stellen k&#252;mmern sich,  welche Spielregeln gelten jetzt? Was muss das betroffene Land &#228;ndern? Und es  geht auch um die Frage, auf wie viel Geld die Gl&#228;ubiger unter Umst&#228;nden verzichten m&#252;ssen.“</p>
<p style="text-align: justify;">Die Wahrheit ist nat&#252;rlich, dass der letzte Punkt der entscheidende ist. Aber K&#246;hler verpackt seine Botschaft, so gut es eben  geht. Er ist zwar kein klassischer Berufspolitiker, aber trotzdem wei&#223; er, was  er da sagt. Und auch der Zeitpunkt war gezielt von ihm gew&#228;hlt – zeitlich  unmittelbar nach der Verabschiedung von Sch&#228;ubles Schuldhaushalt. K&#246;hler hat den Interviewern seine Antworten aufdr&#228;ngen m&#252;ssen. Er hat sie explizit  nicht auf Griechenland bezogen. Welches Land k&#246;nnte er wohl sonst gemeint haben –  er, das deutsche Staatsoberhaupt?</p>
<p style="text-align: justify;">Fazit: Horst K&#246;hler ist kein  Revolution&#228;r. Nur wenige seiner praktischen Vorschl&#228;ge sind hilfreich (z.B.: Sozialstaat deutlich effizienter machen). Auf der anderen Seite ist er gegen Steuersenkungen,  aber f&#252;r mehr Regulierung. Er meint, dass der Staat langsam mit dem Sparen  anfangen sollte und dass das zwanzig Jahre dauern k&#246;nnte. Die Wahrheit ist  nat&#252;rlich, dass der deutsche Staat eher zweihundert Jahre brauchen w&#252;rde, wenn er  die Staatsverschuldung von 1,7 Billionen Euro abbezahlen wollte.</p>
<p style="text-align: justify;">Trotzdem  hat er als erster f&#252;hrender deutscher Politiker ausgesprochen, dass der Staatsbankrott droht. Deutlicher konnte er als  Staatsoberhaupt das nicht machen. Er ist kein Thilo Sarrazin, der mit drastischen  Vergleichen („Berlins Haushalt ist weniger solide als der von Argentinien“) und  politisch unkorrekten Forderungen an die &#214;ffentlichkeit tritt. Dass s&#228;mtliche  Medien – einschlie&#223;lich der beiden Journalisten vom „Focus“ – die Brisanz dieser Aussagen nicht erkennen, ist f&#252;r mich die eigentliche &#220;berraschung. Es  sieht so aus, als w&#252;rden die deutschen Eliten die Problematik ihrer maroden Staatsfinanzen verdr&#228;ngen. Eine andere Erkl&#228;rung habe ich nicht, wenn  ich nicht zu Verschw&#246;rungstheorien greifen will.</p>
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<h5>Quelle: <a href="http://ef-magazin.de/2010/03/25/1956-bundespraesident-koehler-warnt-und-keiner-hoert-hin-stell-dir-vor-es-ist-staatsbankrott">ef-magazin  Feed</a></h5>
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		<title>NRW-Wahlkampf: Parteien sind korrupt</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 04:14:00 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von <a href="http://ef-magazin.de/autor/ronald-glaeser">Ronald Gl&#228;ser</a></em></p>
<h3>Und ihr Ansehen sinkt –  zurecht – weiter</h3>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;">„Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen J&#252;ngern und sprach: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und  Pharis&#228;er. Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken  sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen’s zwar, tun’s aber nicht. Sie binden  schwere und unertr&#228;gliche B&#252;rden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber  sie selbst wollen keinen Finger daf&#252;r kr&#252;mmen.“ (Matth&#228;us 23)</p>
<p><span id="more-193477"></span></p>
</blockquote>
<p><span id="more-7440"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Amtliche  Doppelmoral ist keine Erfindung der Neuzeit. Aber dieses neuste Beispiel aus Nordrheinwestfalen finde ich besonders  lustig: Nur wenige Tage, nachdem die Landesregierung den Kauf der Steuerdaten-CD beschloss, hat die NRW-CDU Anzeige gegen unbekannt gestellt. Nat&#252;rlich  nicht gegen jenen Steuerdaten-Dieb aus der Schweiz. Der ist schlie&#223;lich ein Gesch&#228;ftspartner von R&#252;ttgers und Co. Mithin eine Art Hoflieferant.  Nein, die Anzeige richtet sich gegen denjenigen, der gerade &#228;ltere CDU-Emails  geklaut und weitergegeben hat. Es geht um Folgendes: Die Internetseite  www.wir-in-nrw-blog.de zitiert aus internen Emails zwischen der Staatskanzlei und der CDU-Landesgesch&#228;ftsstelle aus dem Jahr 2005. Es geht darin um die Selbstdarstellung des neu gew&#228;hlten „Arbeiterf&#252;hrers von NRW“ J&#252;rgen  R&#252;ttgers. Deswegen macht die CDU der SPD jetzt den Vorwurf: „Zumindest hat die SPD eine Nutznie&#223;erstellung durch die Verlinkung mit Material  aus einer Straftat.“ Wenn die Machthaber in NRW tats&#228;chlich der Auffassung sind, dass dieser Datenklau illegal ist, wie k&#246;nnen sie dann mit einem anderen Datendieb zusammenarbeiten? Was sind schon ein paar Emails gegen  pers&#246;nliche Bankdaten?</p>
<p style="text-align: justify;">Der Inhalt dieser fast f&#252;nf Jahre alten Emails ist &#252;brigens keine besondere &#220;berraschung. Eher h&#228;tte es mich vom Hocker  gerissen zu erfahren, was Marco Materazzi beim Finale der letzten Fu&#223;ballweltmeisterschaft Zinedine Zidan, der danach so sch&#246;n ausgeflippt  ist, ins Ohr gefl&#252;stert hat – oder was R&#252;ttgers jetzt plant, um die Wahl zu  gewinnen. Aber bei der CDU scheinen die Nerven blank zu liegen nach der  Ver&#246;ffentlichung der Rent-a-R&#252;ttgers-Aff&#228;re. Deswegen schimpft die CDU wie ein Rohrspatz  und merkt gar nicht, dass die von ihr gestellte Landesregierung soeben einem Datendieb die vermeintlich steuerrelevanten Daten abgekauft und damit  genau das gemacht hat, was sie jetzt anderen ankreidet. Geht’s noch  widerspr&#252;chlicher?</p>
<p style="text-align: justify;">Die wahren Pharis&#228;er in NRW aber sind die Sozialdemokraten, die sich jetzt wie unschuldige L&#228;mmer auff&#252;hren. Und  zwar deswegen, weil sie genau so an der Titte der Gro&#223;konzerne h&#228;ngen wie die Schwarzen. Ich kann nur jedem m&#252;ndigen B&#252;rger raten, einmal einen CDU-  oder SPD-Parteitag zu besuchen. Da reiht sich ein Lobbystand an den n&#228;chsten.  Seit Jahren habe ich mich immer gefragt: Sch&#228;men die sich denn gar nicht, so  offen zu zeigen, dass sie vom „gro&#223;en Geld“ finanziert werden? Es ist doch  ganz klar, dass eine Partei, die das Geld von Adidas, der Postbank, Lufthansa, Eon,  Bayer, BMW, McDonalds oder Reemtsma nimmt, auch in deren Interesse handelt,  oder? Bei der SPD sind vor ein paar Jahren auf einem SPD-Bundsparteitag noch Zigarettenschachteln als Pr&#228;sent von einer Tabakfirma verteilt worden.  Drinnen hielt Ulla Schmidt einen Vortrag &#252;ber Gesundheitspolitik – im Foyer  verteilten Promotionsteams Kippen f&#252;r die Delegierten. Wie glaubw&#252;rdig ist diese  Art von Politik?</p>
<p style="text-align: justify;">Eine Partei, die vorgibt, die B&#252;rger zu vertreten – gar Volkspartei zu sein –, kann nicht gleichzeitig die Interessen der gro&#223;en Konzerne vertreten. Die skandal&#246;sen Angebote von intimen Gespr&#228;chen mit  den Ministerpr&#228;sidenten R&#252;ttgers und Tillich gegen einige Tausend Euro  Parteispende sind nur das T&#252;pfelchen auf dem I. Aber auch die SPD hat Gespr&#228;che mit Parteif&#252;hrern indirekt angeboten. Bei den Genossen gibt es das auch. Es  hei&#223;t „Kaminabend“ und wird vom „Vorw&#228;rts“ organisiert. Deswegen wundert es mich umso mehr,  dass die Sozis das Thema selbst so forcieren. Der fr&#252;here SPD-Generalsekret&#228;r Hubertus Heil hatte am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin die Antwort parat: „Sponsoring ist nicht das Problem, sondern die Frage, ob Sponsoren von  einer Veranstaltung mehr zu erwarten haben, als dass ihr Name erw&#228;hnt wird.“ Nat&#252;rlich erwarten sie das. Keine Firma gibt Geld, nur weil sie dann auf  einer Sponsorenliste steht. Sie erwartet diskrete Gegenleistungen, und  Politiker wie Heil wissen das. Die Pharis&#228;er h&#228;tten ihre Freude an ihm gehabt. Sp&#228;ter  in dem Interview sagte er noch: „Was mich &#228;rgert, ist, dass es dann auf alle  Parteien zur&#252;ckf&#228;llt und dem Ansehen demokratischer Parteien nicht zutr&#228;glich  ist.“</p>
<p style="text-align: justify;">Schon geschehen. Zu recht.</p>
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		<title>Vor dem Bundesverfassungsgerichtsentscheid über Hartz IV: Bekloppt, wer da noch arbeitet</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Feb 2010 08:45:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von <a href="http://ef-magazin.de/autor/ronald-glaeser">Ronald Gläser</a></em></p>
<h3>Sozialstaat vor Gericht</h3>
<p style="text-align: justify;">Ich habe mal in einem Büro gearbeitet, in dem auch eine alleinerziehende Frau vorübergehend als Aushilfskraft beschäftigt war. Sie hat nie viel gesagt. Nur einmal sprudelte es beim gemeinsamen Mittagessen richtig aus ihr heraus: Als wir auf das Thema Hartz IV zu sprechen kamen, da beteiligte sie sich plötzlich lebhaft an der Diskussion. „Wenn das ALG I ausläuft, fangen sie schon an, deine Konten zu überprüfen“, sagte sie, und leitete einen längeren Monolog ein über die Kontrollen, die das Amt bei Antragstellern macht. Ich war sprachlos. Die Frau war eine Expertin. Nicht, dass es schlimm wäre, wenn sich jemand mit Sozialgesetzgebung auskennt, aber wenn das alles ist – dann ist es etwas wenig. Wenn die Frau ihre Energie in eine andere Richtung kanalisiert hätte – indem sie sich einen Job besorgt hätte – dann hätte sie sich keine Sorgen über Lohnersatzleistungen machen müssen.</p>
<p><span id="more-128592"> </span></p>
<p style="text-align: justify;">Eine andere Bekannte von mir ist inzwischen im Rentenalter. Sie war früher selbständig, hatte einen Tante-Emma-Laden, der auch gut lief. Sie war eine Geschäftsfrau durch und durch, die sich mit Zahlen auskannte und wirtschaftlich rational verhielt. Ich habe damals nicht erlebt, dass sie sich verschwenderisch verhalten hat. Als ihr Mann zu früh starb und der Laden geschlossen werden musste, erbte sie nur wenig und bekam ihre kleine Lebensversicherung ausgezahlt. Das Geld reichte nicht und war nach einigen Jahren aufgebraucht. Eine „normale“ Rente gab es nicht für sie. Stattdessen erhält sie jetzt eine Hartz-IV-ähnliche Grundsicherung, wenn ich das richtig verstanden habe. Der Punkt ist: Sie muss sich jetzt keine Gedanken mehr über die Nebenkosten ihrer Miete machen, die ja vom Amt getragen wird. Also bleibt das Fenster jetzt offen, wenn die Heizung läuft. Zahlt ja das Amt. Ist doch egal, wie hoch die Heizkosten ausfallen.</p>
<p><span id="more-6695"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Zwei Beispiele, die zeigen was der deutsche Wohlfahrtsstaat, speziell Hartz IV, aus Menschen macht. Die Leistungsempfänger passen ihr Leben den Umständen an, lernen Gesetzestexte auswendig statt sich um einen Job zu bemühen oder legen sich Verhaltensweisen zu, die sie nie gehabt hätten, wenn es ihr Geld gewesen wäre, um das es geht.</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist ein Unterschichtenproblem. Noch. Niemand aus dem Mittelstand will in Hartz IV abrutschen. Wer Papiere im Wert von 20.000 Euro in seinem Aktiendepot hat und seine Eigentumswohnung noch abzubezahlen hat, der wird alles tun, um kein Hartz-IV-Fall zu werden. Hier funktioniert das Gesetz.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber in der Unterschicht gelten andere Regeln. Hier bedeutet nicht ein Jobangebot Verbesserung, sondern ein weiteres Kind. Das vierte oder fünfte macht eine Alleinerziehende zur Welfarequeen oder finanziert dem Papa endlich den geliebten BMW. Als vor zwei Wochen eine Direktorin einer Grundschule aus Berlin-Neukölln in Stern-TV auftrat, berichtete sie über die Verkehrsstaus, die es morgens gibt, wenn die Eltern ihre Schützlinge abliefern. Achtzig Prozent Migranten und achtzig Prozent Hartz-IV-Eltern an der Schule, aber die Eltern bringen ihre Kinder persönlich im Geländewagen vorbei? „Die kommen auf 3000 Euro netto im Monat mit ihren vielen Kindern“, sagte die Schulleiterin.</p>
<p style="text-align: justify;">Und inzwischen ist es nicht mehr nur die Unterschicht. Auch für die untere Mittelschicht wird es immer unattraktiver zu arbeiten: Ein Facharbeiter mit zwei Kindern muss schon einen guten Stundenlohn bekommen, damit er mehr hat als sein nicht arbeitender Nachbar mit genau so vielen Kindern. In dem „FAZ“-Artikel „Was braucht der Mensch zum Leben?“ von gestern war ein Rechenbeispiel: Ein verheirateter Arbeitnehmer mit zwei Kindern kommt bei einem Bruttolohn von 1823 Euro auf ein Nettoeinkommen (inklusive Kindergeld) von 1805 Euro. Kriegt Vati Hartz IV, so wandern 1653 Euro in die Tasche. Der Arbeitnehmer steht also für 152 Euro mehr morgens auf und geht zur Arbeit. Ganz schön blöd, oder?</p>
<p style="text-align: justify;">Nächste Woche entscheidet das Bundesverfassungsgericht über Hartz IV. Es wird damit gerechnet, dass die obersten Richter den Politikern Vorgaben machen und die Sätze danach noch weiter steigen. Die Richter, die selbst aus der Welt der Mittelschicht kommen, werden aus ihrer Perspektive definieren, was menschenwürdig ist – und haben dabei nicht im Blick, dass andere Einkommensschichten das bereits für ausreichend halten. Für einen Familienvater mit einem Jahreseinkommen von 30.000 oder 40.000 Euro wird es weiterhin besser sein, arbeiten zu gehen. Aber für andere wird es noch unattraktiver werden, arbeiten zu gehen. Ganz klar ausgedrückt: Sie wären bekloppt, wenn sie es täten!</p>
<p style="text-align: justify;">Das System will nicht, dass sie arbeiten. Sollte das Urteil so kommen, dann wird die Zahl der Empfänger weiter zunehmen. Schon in den letzten Jahren hat der Aufschwung so gut wie nichts an der Zahl der Hartz-IV-Empfänger geändert. Die Menschen passen sich den Bedingungen an.</p>
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		<title>Nationale Mentalität: Denk ich an Deutschland…</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Sep 2009 09:08:54 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[von Ronald Gläser Warum wir die Freiheitsliebe der Italiener brauchen Ich war im Frühjahr für einige Wochen in Italien. Dabei ist mir wieder aufgefallen, was für ein freiheitsliebendes Volk unsere südlichen Nachbarn sind. Nicht nur, dass die Partei von Berlusconi sich Volk der Freiheit (Il popolo della Liberta) nennt. Es gibt in fast allen italienischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">von Ronald Gläser</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Warum wir die Freiheitsliebe der Italiener brauchen</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ich war im Frühjahr für einige Wochen in Italien. Dabei ist mir wieder aufgefallen, was für ein freiheitsliebendes Volk unsere südlichen Nachbarn sind. Nicht nur, dass die Partei von Berlusconi sich Volk der Freiheit (Il popolo della Liberta) nennt. Es gibt in fast allen italienischen Städten einen großen Platz der Freiheit (Piazza della Liberta). Und wenn schon kein Platz, dann wenigstens eine Via della Liberta. Wenigstens die gibt es in fast allen Städten.<span id="more-961"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Warum bei uns nicht? Die Deutschen hätten Grund genug. In Berlin soll ein Freiheitsdenkmal errichtet werden, das wollen die Politiker. Aber kaum haben die Bürokraten die Sache an sich gezogen, da ist sie schon fast wieder tot. Umständlich wurde eine Ausschreibung eingeleitet, eine Jury ins Leben gerufen, Künstler wurden um Vorschläge gebeten. Und? Nichts. Von 500 eingereichten Vorschlägen taugte keiner etwas, sagen die Jury-Mitglieder. Also wird jetzt neu beratschlagt, neu verhandelt. Und irgendwann 2010 oder 2011 kommt dann ein neuer Entwurf, der aufs Neue zerredet werden kann. Kann es sein, dass einflussreiche Kreise gar nicht wollen, dass solch ein Denkmal errichtet wird? Warum gibt es keine private Initiative für dieses Denkmal – jetzt, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall?</p>
<p style="text-align: justify;">Natürlich ist Italien nicht das Land, wo Milch und Honig fließen. Freiheit ist hier ein relativer Begriff. Der Staat ist sehr bürokratisch und voller undurchsichtiger Regulierungen, Steuern, Vorschriften und so weiter – selbst für Insider kaum durchschaubar, für Außenstehende oftmals ein Rätsel.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber die Lebensweise der Italiener ist freiheitlich. Sie haben nicht dieses Der-Staat-muss-es-richten-Gen in sich und nehmen sich ihre Freiheit, wo sie nur können. Gerade weil der Staat so bürokratisch, falsch und unfair mit seinen Bürgern umgeht.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Beispiel: Ein Freund, der in Rom lebt, erzählte mir, er habe kein Auto. Warum nicht, fragte ich ihn. Er sagte, er könne damit ja sowieso nicht in die Stadt fahren. „ Wieso nicht?“ – „Weil ich keinen Mietvertrag habe.“ – „Warum nicht? Du lebst doch hier.“ – „Ja, aber schwarz!“ – „Wie schwarz?“ – „Ich gebe meiner Vermieterin das Geld in Cash am Monatsanfang. Sie will offiziell keine Mieter haben.“ – „Warum das nicht?“ – „Dann muss sie die Mieteinnahmen versteuern. Meine Miete wäre sehr viel teurer. Also habe ich daran auch kein Interesse.“</p>
<p style="text-align: justify;">Für uns Mitteleuropäer undenkbar: In der italienischen Hauptstadt leben Abertausende so. Nach unseren Maßstäben quasi als halbe Obdachlose – aber in Italien gehört es dazu, weil die Menschen sich nicht vom Staat über Gebühr bestehlen lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Bei uns würden weder Vermieter noch Mieter so etwas mitmachen. Die Deutschen warten lieber, bis eine Regierungskommission ihnen ein neues Denkmal baut, das nach nichts aussieht. Wenn es denn überhaupt gebaut wird.</p>
<p>Quellennachweis:<br />
<a rel="external" href="http://ef-magazin.de/2009/08/27/1442-nationale-mentalitaet-denk-ich-an-deutschland" target="_blank">http://ef-magazin.de/2009/08/27/1442-nationale-mentalitaet-denk-ich-an-deutschland</a></p>
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