Zensur in Bayern: Ministerium verweigert Englischbuch

27. Juni 2010 von admin Kategorie: Artikel & News

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Lesezeit: 2 – 3 Minuten

Der Berliner Cornelsen-Verlag soll kritische Aussagen über die Kirche in den USA aus einem ihrer Schulbücher streichen, verlangte das Kultusministerium von Bayern. Derartige „anti-evangelikale Passagen“ will man dort nicht dulden. Wird der Verlag erneut “nachbessern”?

Die Behörde ging so weit, dem Cornelsen-Verlag die Zulassung eines Englischbuches mit dem Titel „Context 21“ komplett zu verweigern. Begründung: Der Inhalt des Buches würde die „evangelische Kirche in ein schlechtes Licht rücken.“

Im Rahmen ihres Buches stellt die als sehr kritisch bekannte Autorin Susan Jacoby die Theorie auf, dass „ein unbestreitbarer, starker Zusammenhang zwischen religiösem Fundamentalismus und einer fehlenden Bildung“ bestehen würde. Der Glauben an die göttliche Schöpfung unserer Welt habe „die öffentliche Bildung in vielen Regionen des Landes nachhaltig (negativ) beeinflusst“.

Die Autorin behauptet, dies sei ein Grund dafür, dass das Wissen amerikanischer Gymnasiasten geringer sei als das von gleichaltrigen Schülern in Europa und Asien. Das Kultusministerium von Bayern sieht dadurch die Ehrfurcht vor Gott, die Achtung vor religiöser Überzeugung und die Würde des Menschen in Abrede gestellt. Derartige Passagen würden nicht „mit den in Artikel 131 der Bayerischen Verfassung formulierten Obersten Bildungszielen“ übereinstimmen, kommentiert die Behörde ihre Entscheidung.

Nachdem sich im März zwei Lehrer über das Buch beschwert hatten, wurden die entsprechenden Texte vom Verlag überarbeitet. Die Dozenten warfen der Autorin vor, sie hätte „hochkomplexe Zusammenhänge in einem stark religiösen Land wie den USA auf einfache Stereotypen“ reduziert. Auch die überarbeitete Fassung fand offenbar nicht den Gefallen der Kritiker, weswegen sie sich jetzt mit Erfolg an das Ministerium gewendet haben.

Es ist davon auszugehen, dass die Atheistin und Journalistin Susan Jacoby ihre Inhalte nur ungerne aufs Neue abändern wird. Ohne eine entsprechende Zensur “Korrektur” wird der Verlag sein Englischlehrwerk für die gymnasiale Oberstufe zumindest in Bayern nicht an den dortigen Schulen anbieten können. Will man die Bücher dort verkaufen, wird man gezwungenermaßen auf die Forderungen des Ministeriums eingehen müssen. Der Cornelsen-Verlag hat sich zum Sachverhalt bislang nicht geäußert.

Quelle: idea.de


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